Mont-Saint-Michel

oder

Die Fruchtbarkeit des Meeres

Poème symphonique pour orchestre

Neueinspielung Januar 2024 - Composer‘s Edition

Wiedergabe in komprimierter Tonqualität.

Aufnahme in verlustfreier CD-Qualität, sowie Orchesterpartitur, Stimmenauszüge

und Aufführungsrechte sind anzufragen unter

www.michael-strasser.com/contact

Cancale, Bretagne - August 2022. Die Idee zu diesem sinfonischen Orchesterwerk kam mir eines Morgens, als wir mit unseren Freunden beim Frühstück im Garten unseres Feriendomizils saßen.

 

Nur einen Steinwurf von uns entfernt lag die weite Bucht von Cancale. Das Meer hatte sich in seinem geduldigen Wechsel von Ebbe und Flut zurückgezogen (der ewige Rhythmus der Gezeiten, den man nur verstehen kann, wenn man bereit ist, die Hektik und Eile unserer Zeit zu vergessen).

Unten verrichteten die Männer der Austernzucht ihr mühseliges Tagewerk und wir hörten unter dem sanften Rauschen des Meeres und dem Geschrei der Möwen das gedämpfte Tuckern ihrer Traktoren, Schlepper und Kähne. Kleine Jollen tanzten auf und ab, auf sanft sich kräuselnden Wellen, und ganz hinten am Horizont erkannte man hinter dunstigen Nebelschleiern die erhabene Silhouette des Mont-Saint-Michel.

 

Von irgendwoher drang der alte Song der Animals „House of the Rising Sun“ zu uns herüber und die Stimme des Leadsängers Eric Burdon ließ mich in seiner stählernen bluesigen Melancholie an meine früheste Jugend erinnern - an jene frühen Jahre des ersten Aufbruchs, die ich doch längst vergessen zu haben glaubte.

 

Dies alles begleitete mich einige Tage und formte sich langsam zu einem Bild, zu einer dramaturgischen Metapher, in der - einem Peer Gynt gleich - ein junger Mann in die Welt hinauszog, sich in seinem Glück zu versuchen. In der das Meer zum Symbol des Lebens wurde, des Unvorhersehbaren, Schicksalhaften und doch uns Nährendem; der Mont-Saint-Michel aber zum Sinnbild der Vergänglichkeit allen irdischen Seins.

 

Schnell war der erste musikalische Moment, die Keimzelle des Stückes, geboren; und über die flutenden Zweiunddreißigstel der tiefen Violoncelli in D stieg, um die Zwölftönigkeit zu komplettieren, die Pentatonik der hohen Flöten in weit entferntestem Es-Moll wie auf Stufen von den Nebeln und hohen Lüften des Mont-Saint-Michel auf die Erde, auf die tosende See hinab…

 

Hier, für alle die gerne Erläuterungen haben, ein kleiner „Ariadnefaden“ durch den gedanklichen Ablauf des sinfonischen Werkes und seiner Musik, jener Modus operandi:

 

1. Von den Nebeln und hohen Lüften…(0:00)

2. Fugato…(4:29)

3. Über die Meere hinweg gen Westen…(6:01)

4. Poor Boy‘s Story (Variations on „House of the Rising Sun“)…(9:07)

5. Apotheose: Ein irdenes Gloria…(10:39)

 

 

House Of The Rising Sun

by The Animals (1964)

 

There is a house in New Orleans

They call the Rising Sun

And it's been the ruin of many a poor boy

And God I know I'm one

 

My mother was a tailor

She sewed my new bluejeans 

My father was a gamblin' man

Down in New Orleans

 

Now the only thing a gambler needs

Is a suitcase and trunk

And the only time he's satisfied

Is when he's on a drunk

 

Oh mother tell your children

Not to do what I have done

Spend your lives in sin and misery

In the House of the Rising Sun

 

Well, I got one foot on the platform

The other foot on the train

I'm goin' back to New Orleans

To wear that ball and chain

 

Well, there is a house in New Orleans

They call the Rising Sun

And it's been the ruin of many a poor boy

 

And God I know I'm one

 

 

 

Notenblatt - Erster Entwurf zu "Mont-Saint-Michel oder Die Fruchtbarkeit des Meeres"
Notenblatt - Erster Entwurf